8.000€ Exoten-Rabatt – Echt jetzt?

Als wir dieser Tage unsere beiden Cadillac CT6 bei der Niederlassung des nicht eben dicht gesähten Händlernetzes der Marke Cadillac zurückgeben, kommen wir ins Gespräch – über individuelle Autos, ihre Rolle auf dem Deutschen Markt – und eine Anzeigenkampagne, die Rabette in Höhe eines vollständigen Dacias.

Tatsächlich bewegt man sich bei einem Cadillac in Europa, speziell im selbst fahrzeugproduzierenden Deutschland, schon scharf an der Grenze, an der Exotik und Absurdität sich treffen. Die Exotik des Angebotes wird hier zur wirtschaftlichen Absurdität.

Schaut man sich nämlich einmal die Zulassungszahlen solcher Fahrzeuge an, wird schnell klar, warum Cadillac mal eben 8.000€ in die Luft wirft und schaut, wer sie auffangen möchte – am liebsten der Kunde. Denn Cadillac könnte das Geld im Grunde auch einfach verbrennen. Der Cadillac CT6 wurde dieses Jahr tatsächlich drei mal zugelassen. Kein Fehler: DREI mal. Wird er in dem Tempo weiter verkauft, könnte er es in 2019 glatt noch auf 20 Exemplare bringen.

Cadillac CT6 – Ziemliche Ansage – und wenn Du willst, sehen den viele eher von hinten – aber eben auch ein echter Exot mit mehr als nur Seltenheitswert

Verteilt auf 12 Händler – also rund Anderthalb Autos pro Jahr. Und dennoch muss jeder Händler geschult werden, müssen Werkzeuge angeschafft werden. Da wird Software angeschafft, da werden Prospektmaterialien gedruckt…. Schaut man sich diese Aufwände an, stecken vermutlich auf die eine oder andere Weise 8.000€ an sonstigen Kosten in jedem verkauften Cadillac CT6.

Und dabei ist der Cadillac CT6 auf diesem traurigen Level beileibe nicht der einzige Spieler. Da spielen auch echte Promis in der schlimmen Riege mit. Vom Hyundai I40, sozusagen der Passat des koreanischen Massenherstellers, wurden im Januar 87 Fahrzeuge zugelassen. Vom Bruder Kia Optima 83. Und denen geht es noch gut. Da stehen 70 Porsche Cayman in der Liste und ganze 54 Hybrid-Fahrzeuge vom Toyota Prius. Ja – der gefeierte Toyota Prius bringt es nicht einmal auf 2 Zulassungen pro Kalendertag – und der sollte doch von solchem Quatsch wie dem aktuellen Diesel-Skandal und der daraus resultierenden Kaufzurückhaltung nicht betroffen sein, oder?

Man ahnt es: hinter einem Abschlag in dieser Höhe kann nichts Gutes stecken

Fahrzeughersteller wie Sssangyong verkaufen dauerhaft auf diesem Niveau – selbst der wichtige Tivoli bringt es kaum über 50 Exemplare im Januar 2019. Ein Jaguar XE geht noch seltener über den Tisch – und der sollte deren Volumenmodell sein… – Ein XF schafft es noch auf müde 21 Stück in der Deutschen Zulassungsstatistik 1/2019.

Fahrzeughersteller wie Lexus und Subaru versacken mit ihren Angeboten in Deutschland zusehends, Wurde der Subaru Legacy noch einigermaßen regelmäßig verkauft und waren Fahrzeuge wie der Subaru Impreza noch regelrecht in Mengen vertrieben, bringt es der Levorg nur noch auf handverlesene 22 Exemplare, der sportliche BRZ schafft kaum 150 Zulassungen in einem ganzen Jahr. Der Lexus LS, weltweit eine anerkannte Alternative zum 7er und der Mercedes S-Klasse , hält den ultimativen Trauer-Rekord: Den wollte im gesamten Januar nur ein Deutscher haben – wollen wir mal hoffen, dass das kein Stützkauf war…

Artenvielfalt? In Deutschland müssen es Golf, 3er und E-Klasse sein.

Es sieht aus, als wäre in Deutschland einfach kein Platz mehr für Individualität beim Autokauf. Wenn 2/3 aller neu zugelassenen Fahrzeuge auf Firmen zugelassen wird, dann sielt das Herstellungsland plötzlich wieder eine Rolle…