Alfa Romeo Mito – wofür steht der Edel-Zwerg?

In den 80er und 90er Jahren waren Edel-Autos stets groß. Erst langsam kamen auch schnuckeligere Lederausstattungen und Stil in die Kleinwagen. Schließlich rollte der Mini von BMW die Szene endgültig auf und schüttelte das Segment durch wie kein anderer – bis heute die A1er und stylische Fiat 500 um die Gunst meist weiblicher Käufer buhlen. Und genau da befand sich bis vor Kurzem noch der Alfa Romeo Mito.

Zurzeit versuchen die Alfa Romeo Händler in der Republik, den Mito rasch vom Hof zu bekommen. Scheinbar will der nicht mehr so recht in das Modellprogramm passen, das sich wieder mehr nach oben orientieren soll. Da kann man manches Schnäppchen machen. Jedoch: Die Alfa-Händler geben durchaus hier und da zu, dass der Mito auch sonst in vielerlei Hinsicht nicht gerade für Glanz auf dem Hof sorgt.

Das kann in der Qualität in dieser Klasse – wenn überhaupt – noch ein einziger

Den Mito gibt es auch im Moment noch mit einer breiten Motorenpalette – vom kleinen Zweizylinder bis hinauf zu einer beeindruckenden 170PS-Motorisierung. Das ist der Bereich der Benziner. Daneben gibt es noch Diesel, die im Grunde für einen Wagen dieser Größe irgendwie idiotisch erscheinen mögen – und das war auch schon vor der Disel-Skandal-Diskussion so – aber im Heimatland Italien ist der Diesel durchaus von Bedeutung gewesen und ist es auch heute noch.

Jedoch: Keiner der Motoren vermag wirklich zu beeindrucken – was schon irgendwie eine bizarr beeindruckende Leistung darstellt. Das ist aber noch der bessere Part beim Alfa Romeo Mito. Fahren mit dem Mito hinterlässt einen entschieden schwächeren Eindruck.

Billig wirkende Auskleidung des Kofferraums – und leider auch sonst nicht so richtig premium

Zunächst einmal ist der Wagen speziell bei geringeren Geschwindigkeiten hoppelig und unsanft gefedert. Schon mit den normalen Rädern ist der Wagen hölzern und uncharmant – mit den größeren Felgen ist er ein echter Knochenbrecher. Das Fahrwerk ist in nahezu allen Lebenslagen unausgewogen, ohne dass man dafür im Gegenzug ein sportliches Fahrverhalten bekäme. Der Wagen ist schlicht und ergreifend unausgewogen – und das liegt nicht daran, dass er bereits vor 10 Jahren auf den Markt gekommen ist. 2008 war er auch bereits unausgewogen und das hat sich über die Jahre nicht gebessert.

Gepaart mit einer viel zu leichtgängigen Lenkung, die man eigenartiger Weise auch noch auf „leicht“ stellen kann, ist das völlig unangemessen und nicht ansatzweise geeignet, um mit modernen Kleinwagen mitzuhalten. Daran helfen auch die verschiedenen Fahrmodi nichts, mit denen der Mito serienmäßig ausgestattet ist, was in dieser Fahrzeugklasse extrem ungewöhnlich ist.

Verglichen mit einem modernen Opel Corsa, Seat Ibiza oder erst recht dem aktuellen Ford Fiesta, fühlt sich der Alfa Romeo Mito regelrecht steinzeitlich an. Auf schlechten Strassen ist er einigermaßen unerträglich und hier tritt dann gleich eine weitere Unart offen zutage: Die Verarbeitung.

Im Gegensatz zu den neueren Modellen wie etwa der neuen Gulia ist der Alfa Romeo alles andere als „premium“. Der Wagen knarzt und knirscht wie ein Auto, das mehrere Jahre auf dem Buckel hat. Diverse Kunststoffteile weisen Fugen zueinander auf, die sehr zufällig wirken und sich auch tatsächlich von Fahrzeug zu Fahrzeug (erheblich) unterscheiden.

Au Weia.

Wenn man dann schon beim meckern ist: Uns wird einfach nicht richtig klar, für welches Einsatzgebiet der Wagen gemacht ist. In der Innenstadt, wo Kleinwagen öfter bewegt werden, tritt die Unübersichtlichkeit des Wagens extrem zutage. Die C-Säule ist Dick wie eine Mauer, das Rückfenster klein wie eine Schießscharte. Wer mit dem Wagen rückwärts fährt, kann nur zu dem Schluss kommen, dass das in der Entwicklungsphase nie von den Ingenieuren getestet wurde. Da kommt man auch mit der Entschuldigung der Parkpiepser nicht durch: Die sagen einem nur, dass da etwas ist, aber manchmal möchte man ja vielleicht auch wissen, ob man gerade nur einen Busch touchiert oder die S-Klasse des unangenehmen Nachbarn, oder?

Ohne Leder auch nicht wirklich toll – und die Verstellbarkeit ist etwas gestrig

Auch sonst ist der Mito ein wenig praxisfern. Der Einstieg in die hintere Reihe wird beispielsweise derartig von der abfallenden Dachlinie behindert, dass man sich auch hier fragt: Haben die das nie während der Entwicklung getestet?

Unterhalb der abfallenden Dachlinie befindet sich der kleine Kofferraum, der billig ausgekleidet ist und wirklich keinerlei Ansprüche der Marke zu erfüllen imstande ist, sondern eher Dacia-Charme hat, ohne dem rumänischen Autohersteller da Unrecht tun zu wollen.

Das wirkt billig, das wirkt lieblos, das ist unangemessen – zumal, wenn man betrachtet, dass der Alfa Romeo Mito alles andere als ein Schnäppchen ist. Für das Geld bekommt man gut ausgestattete gute Wagen in dieser Klasse. Hinzu kommt: Der Wertverlust war schon die ganze Zeit über erheblich – nachdem das Modell abgesetzt wurde, wird das eher noch schlechter werden. Der Mito ist also in der Anschaffung teuer und dann auch noch über die Laufzeit.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der Alfa Romeo Mito sieht wirklich super aus – das ist aber am Ende auch wirklich so ziemlich seine einzige Qualität.

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Auch mit viel Willen finden wir keinen Ansatzpunkt, den Alfa Romeo Mito anders als schön zu finden. Aber das Design hat hier ganz klar die Oberhand gehabt – die Qualitäten des Wagens sind dabei entschieden zu kurz gekommen.



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