Citroen C4 Cactus

Citroen C4 Cactus – was kann der zweite Aufguss?

In Deutschland ist die kleinste Motorisierung des Citroen Cactus ein Dreizylinder mit 110PS – in anderen Ländern gibt es den Wagen auch mit 82PS – wir sind beide Versionen gefahren – in UK und in Deutschland – und es wird schnell klar, warum die 82PS Version in Deutschland aus gutem Grund nicht angeboten wird…

Der Citroen C4 Cactus erschien 2014 auf der Bildfläche und war erst einmal ein Hingucker. Obwohl der Wagen ein Kleinwagen im weiteren Sinne war, hatte er etwas herzhaftes in der Erscheinung, wirkte mit seinen Bumpern an den Seiten so, als könnte man mit ihm notfalls auch einmal in einen Wüstenkrieg ziehen.

Soviel vorab: Konnte man nicht und kann man auch heute nicht. Seit 2018 verkauft Citroen ein neues Modell, das faktisch jedoch ein etwas abgemildertes Facelift ist und viel des optischen Charmes des Originals verloren hat. Da gibt es zwar hier und da noch angriffslustige Kriegsbemalung, das war es dann aber auch erst mal mit dem Teil der Individualität, die der Nachbar zu sehen bekommt.

Citroen C4 Cactus

In UK getestet: Das 82PS Modell, das es zum Glück auf unsren Strassen nicht gibt. Aber auch die 110er Version, die hier verkauft wird, kann motorisch nicht beeindrucken.

Im Innenraum versucht Citroen den Spagat zwischen reduziertem Interieur im Stil einer modernen Ente mit dem nötigen Multimedia-Monitor in Mittellage, der sogar Google-Navigation und auch Apple CarPlay unterstützt. Ersteres funktioniert ausgezeichnet, letzteres nicht ganz so gut.

Multimedia ist in Summe ein großer begriff – es gibt ein Display, das den aktuellen Song anzeigt oder alternativ auch in einer schier kindlichen Grafik Heizung und Lüftung bedienbar macht. Die Touch Empfindlichkeit dieses zentralen Bedienelements ist eher milde und wirkt antiquiert. Die Bedienung ist immerhin leicht nachvollziehbar, was besser ist, als vieles, was man von anderen zeitgemäßen Autos sagen kann.

Jedoch: Das ist auch schon so ziemlich das einzig Gute, was man über den Citroen C4 Cactus 2019 sagen kann.

Citroen versucht beim C4 Cactus 2019 ein wenig von allem anzubieten – und das ist dann so wie Döner auf Pizzaboden mit ein wenig Currywurst als Beilage oder so. Optisch möchte man ein wenig SUV spielen – aber nur außen. Innen heißen Dich beim Einsteigen Sitze willkommen, die stark an Omas Sofa erinnern- Seitenhalt ist nicht vorgesehen – in der Stadt hingegen sind die Sitze zumindest erst einmal bequem. Auf längeren Strecken können die Sitze nichts. Ein solches Gestühl ist ein Armutszeugnis für einen Wagen im Jahre 2019 und durch nichts entschuldbar – und das gilt vorne wie hinten.

Citroen C4 Cactus innen

110PS Version – in Deutschland und Belgien getestet. Besser als der 82er aber alles andere als gut

Auf den hinteren Plätzen haben die Mitfahrer passable Platzverhältnisse trotz eines einigermaßen kompakt gehaltenen Äußeren – dasselbe gilt für den Kofferraum, der nicht üppig ist, dafür aber extrem quaderförmig und somit gut nutzbar. Der Preis dafür ist eine Schießscharte als Rückfenster und somit eine Sicht nach hinten, die den Namen nicht verdient.

Auch nach vorne ist der Wagen nicht wirklich übersichtlich. Die eine Alternative ist, den Sitz sehr weit hoch zu stellen – dann sieht man an den vorderen Enden mehr, sitzt aber so weit oben, dass man keine Ampeln mehr sehen kann. Also wählt man die andere Alternative, bei der man weiter unten sitzt, die Karosserie nicht mehr erahnen kann, dafür aber Verkehrszeichen sieht. Alles in allem auch hier: Der Citroen C4 Cactus ist alles andere als beeindruckend geraten im Innenraum.

Die Schaltung setzt diesen Eindruck (heftig) fort. Die beiden ersten Gänge lassen sich nur gezielt und mit Kraft einlegen – der Citroen fühlt sich diesbezüglich an wie ein altes Auto. Gar nicht beeindruckend. Oft versucht man dadurch, im dritten Ganz anzufahren. Das funktioniert nicht gut. Beim deutschen 110PS Modell klappt es tatsächlich halbwegs, beim kleineren 82PS Motor, den man bei uns nur als EU-Import erhält, klappt es gar nicht. Der Motor hat schlicht keinerlei erkennbares Drehmoment und funktioniert nur über hohe Drehzahlen. Der 110PS Benziner hat Drehmoment, entfaltet es aber auch erst richtig bei hohen Drehzahlen. Welche das sind, hält der Citroen serienmäßig – der Drehzahlmesser fehlt – es gibt eine Schaltanzeige. Und die funktioniert nur begrenzt gut: Wenn sie zum Hochschalten animiert, säuft der Wagen oftmals beim Einkuppeln praktisch ab.

C4 Cactus

Im Design durchaus irgendwie knackig. Auf dem Bild zu sehen: Das Vergleichs-TomTom, das der (kostenlosen) Google-Navigation im Langzeit-Vergleich unterlegen ist. Nur die Anzeige-Qualität ist besser

Alles in allem fällt es einem oft schwer, zu glauben, dass man hier in einem Wagen des Jahrgangs 2019 sitzt. Der Wagen ist von außen ganz chic, bietet passablen Platz – sonst kann er wirklich nichts. Die 82PS Version ist zudem noch ein Säufer, der realistisch 8 Liter benötigt. Die stärkeren Dreizylinder sind besser, aber auch die klingen nicht angenehm sportlich, wie so viele andere Dreizylinder, sondern sind schlicht und ergreifend laut.

So ziemlich jedes Auto dieser Klasse ist besser. Ein Seat Arona kann mehr, ist besser ausgestattet und zu allem Überfluss noch signifikant billiger. Jeder profane Golf kann mehr, gilt als teuer, ohne wirklich mehr zu kosten – und das gilt für diverse andere Fahrzeuge der Klasse ebenso.

Der Citroen C4 Cactus fängt bei 17.690 Euro an – für das Geld gibt es einen Volkswagen T-Cross – Seat Arona und Ateca spielen in derselben Klasse und können nicht nur mehr, sondern haben auch einen stabileren Wertverlauf.

**   

Mehr als Zwei Sterne sind für den Citroen C4 Cactus 2019, die zweite Generation des Cactus, die eigentlich nur ein Facelift ist, nicht drin. Nichts an dem Wagen überzeugt wirklich und die coolen Looks des Originals gibt es auch nicht mehr. Buuh.



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