Hyundai I20 – der bessere Polo?

Hyundai/Kia gehört mittlerweile zu den größten Fahrzeugherstellern auf diesem Planeten und schlagen sich weltweit immer besser. Lange Zeit wurden sie in Deutschland belächelt. Hier und da passiert das noch, aber gerade im kompakten Bereich ist es eher der Respekt, der Mitbewerber, der Hyundai am besten beschreibt. Hat der I20 sich den in der Polo-Klasse verdient?

Man liest gerne, dass die Volkswagen Gruppe Fahrzeuge so gestalten kann, dass jeder Depp die Bedienung sofort versteht. Wenn das für einen Wagen in der Polo-Klasse gilt, dann ganz entschieden für den Hyundai I20. Reinsetzen, Sitz einstellen, losfahren.

Der gesamte Innenraum ist übersichtlich gestaltet, hier wirkt alles zugänglich und einigermaßen sachlich elegant – und dabei eben nicht so blutleer sachlich wie beim aktuellen Polo. Ähnlich die Innenraum-Verhältnisse: Obwohl der aktuelle Polo irre breitbackig daherkommt, ist der Hyundai I20 im Design ausgewogener, jedoch nicht schmaler oder kleiner. Der Kofferraum ist sogar größer als der des Klassenhelden VW Polo.

Hyundai I20 Kofferraum

Da kann man nicht meckern

Insgesamt fühlt sich der 4 Meter Wagen nicht mehr wie ein Kleinwagen an. Aber klar: Der ist auch tatsächlich größer als ein Golf 2… Und der galt bis in die 90er hinein als prima Familienwagen. Hier muss man sich also auch hin und wieder neu kalibrieren.

Hyundai I20 – was können die Motoren?

Im Bereich der Performance kann der Hyundai nicht mit den kräftigen Motoren von Polo, Fiesta oder Corsa mithalten. Die beiden kleineren Motoren sind durchaus drehfreudig, es mangelt ihnen aber an Drehmoment – erst mit 100 oder 120PS macht der Wagen einigermaßen Spaß, vermittelt aber nie motorische Freude, die man bei 120PS in einem Kleinwagen erwartet würde. Tatsächlich ist das nicht nur subjektiv fühlbar – selbst das stärkste Modell braucht deutlich über 10Sekunden auf 100 Km/h. Blicken wir beispielsweise auf den Seat Arona, den wir kürzlich getestet haben, so vergeht da eine sehr fühlbare Sekunden weniger – und das bei einem Wagen mit nominell geringerer Leistung und einer bedeutend größeren Stirnfläche.

Hyundai I20 Seitenansicht

Maximal unauffällig

Unser Favorit wäre am Ende dennoch der 1.0 T-GDI mit 100PS, am besten in der Ausstattung Trend, die schon Bluetooth, Sitzheizung, Einparkhilfe und Alus bietet – gerne dazu das Digitalpaket und Navigation. Die Anbindung von Smartphones jeder Art funktioniert hier ausgezeichnet – ganz anders beispielsweise als bei dem kürzlich getesteten Mercedes der E-Klasse, der sich hier geradezu als Katastrophe erweist.

Zuverlässig und günstig zu reparieren, wenn es drauf ankommt

„Engaging to drive,“ wie der Brite sagt, ist der Wagen einfach nicht. Der Hyundai I20 ist sachlich top, emotional nicht unbedingt. Dennoch fährt er sich richtig gut. Die Straßenlage ist enorm verlässlich, satt, sicher, berechenbar. Auch die Lenkung ist in dieser Klasse ganz entschieden eine der besseren, wenn auch einen Hauch zu leichtgängig.

Hyundai I20: Vorbildlich

Wirklich beeindruckend ist die Verarbeitung. Hier knirscht und knackt nichts und auch unter dem Blech findet sich viel Gutes bis hin zu ausgezeichneten Schrauben – auch an Stellen, an denen diverse andere Unternehmen aus Kostengründen längst schon lieber Steckverbindungen verwenden. Auch die Schalter klacken sauber, die Rasterungen der Sitzverstellung klacken satt und hier wird auch bei Kabelummantelungen und ähnlichen Komponenten nicht gespart. Da muss man schon sagen: Hyundai und Kia sind wirklich mittlerweile der heimliche Toyota – die können was. Und das bestätigen beispielsweise auch die Garantieversicherer, die Hyundai stets im besseren Grünen Bereich sehen. I10, I20 und I30 sind in ihren jeweiligen Klassen stets Top10, auch wenn der Deutsche Stammtisch das immer gerne leugnen würde.

Wer den Wagen mit dem 100PS Motor mit ausreichender Vernunft bewegt, kann tatsächlich bei einem Benziner eine 4 vor dem Komma erreichen – auch das war bis vor kurzem noch schwer vorstellbar. 6 Liter sind völlig reell und ohne Einschränkungen oder besondere Konzentration erreichbar.

Auch sonst ist der Hyundai I20 einfach ein angenehmer Begleiter im Alltag. Satt schließende Türen, eine sehr vernünftige Menge an Ablagen, die beispielsweise deutlich über Niveau von Polo oder Corsa liegen. Dann eine Übersichtlichkeit, die man kaum noch bei modernen Autos findet. Die Fensterflächen sind groß und reichen weiter herunter als bei vielen modernen Fahrzeugen. Das ist ebenso angenehm wie die sehr weit verstellbare Sitzposition, die wirklich für jeden Fahrer ausreichend ist und das leicht zu schaltende Getriebe.

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Es bräuchte nur einen graduell geileren Motor und der Hyundai I20 wäre ein 5 Sterne-Kleinwagen. So ist er einer der besten Vier-Sterne Kleinwagen, den man sich vorstellen kann. Hyundai lässt über 20.000 I20 im Jahr in Deutschland zu. Ohne die Stammtisch-Hürde wären es (zurecht) mehr.