Kia Pro Ceed – der Wagen mit dem Elefanten auf dem Dach?

Am zweiten Tag unserer Probefahrt mit dem KIA Pro Ceed kaufen wir bei Edeka ein wenig Proviant. Als wir zum Wagen zurück kommen, stehen dort drei Jugendliche mit Skateboards unter dem Arm, einer mit einem Scooter und bevor wir ganz am Wagen sind, hören wir den einen noch sagen „Mit so einer hässlichen Karre würde ich mich nicht auf die Strasse trauen. Sieht aus wie ein knallhart verkackter Mercedes GLA.“

„CLA,“ korrigiert ihn einer seiner Kumpel.

Die große Kunststofffläche hätte man schöner machen können, die Details der Verarbeitung sind top und übrigens auch besser als im Mercedes CLA. Die Sitze vermitteln ausgezeichneten Halt

„Oder so… Auf jeden Fall ugly“

Dann fahren sie weiter über de  großem Parkplatz richtig Skatepark. Die Analogie zum Mercedes CLA werden wir in den kommenden tagen noch öfter hören. Und ja: Man muss ganz klar sagen, dass es da eine gewisse Analogie gibt und man muss auch sagen a) sie ist nicht ganz von der Hand zu weisen und b) beide Autos polarisieren im Design.

Wir fahren den Wagen einmal mit dem 136PS DIesel und Doppelkupplungsgetriebe sowie mit dem 204PS Starken Benziner, der den Zusatz GT sicherlich mehr verdient und hier auch noch mit Schaltgetriebe daherkommt. Das ist die bessere Wahl. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet zwar schnell, aber nicht immer logisch – vor allem bergab in Kurven. Ansonsten ist der Diesel eine angenehme Kraftquelle für den Kia Pro Ceed, der zwar weniger kräftig daherkommt, als man meinen würde, dafür seine Leistung aber angenehm linear entfaltet. Dabei entwickelt der Diesel durchaus Brummfrequenzen, jedoch keine unangenehmen.

Der 204PS Benziner ist der Star der Angebotspalette und der Bruder des kürzlich getesteten Hyundai i30N, der in unserem Test durchaus gezeigt hat, dass er Sport kann. Der Hyundai i30N ist jedoch das weitaus gefälligere, sozialverträglichere Fahrzeug aus dem Hyundai/Kia-Konzern auf dieser Plattform. Ein typischer Vertreter der Generation Golf GTI.

Anständig

Der Kia Pro Ceed ist das eigentlich auch – er sieht nur nicht so aus. Der Wagen ist berechenbar, fährt sich sehr solide, wenn man auch tatsächlich den etwas fetteren Hintern in Kurven spüren kann, wenn man es drauf anlegt – das ist der Konzernbruder ruhiger. Aber um das herauszubekommen, musst Du in Querbeschleunigungsbereiche vordringen, die über 90% der Fahrer nie in diesem Wagen erleben werden – Sportmodus hin oder her.

Der Grenzbereich ist angenehm hoch und eben berechenbar im besten Wortsinne. Die Sitze tun da ihr übriges – die können was. Ebenso ist die Ergonomie der Schaltung und der Pedalerie für die meisten Körpergrößen sehr gut ausgewogen, dasselbe gilt für die Verstellbereiche der Sitze und des Lenkrads.

Der 204 PS Benziner startet bei 31.190 Euro. Für das Geld bekommt man tatsächlich auch den neuen Mercedes CLA, allerdings mit 40 PS weniger und ohne die Ausstattung, die der Kia mitbringt. Die ist sehr vollständig. Wer sie verändern möchte, trifft auf asiatischen Schwachsinn erster Güte wie beispielsweise die zwingende Kombination von Glasschiebedach und Navi, für die es keinen logischen Grund gibt. Spielt bei den geforderten Preisen jedoch keine wirkliche Rolle. Das Gesamtpackage des Kia ist gut gepreist – dennoch ist auch hier der I30N das etwas attraktivere Autos aus der Sportszene.

Der Pro Ceed. ob man das Design nun mag oder nicht, bietet natürlich das deutlich bessere Kofferraum-Angebot mit 594-1545 Litern, die man dem rundlichen Heck so nicht zutrauen würde, da sie im Grunde auf dem Niveau der Kombis dieser Klasse liegen. Der Kofferraum ist einigermaßen gut nutzbar und auch noch sauber und robust ausgekleidet. Hundebesitzer werden hier dennoch nicht vollständig happy werden – die Flache Heckscheibe lädt die Sonneneinstrahlung einfach zu sehr in den Kofferraum ein.

In der Praxis blöd: Der Heckspoiler über der Scheibe steht so weit vor und über, dass der Wagen in der Waschanlage praktisch nie wirklich sauber wird im oberen Bereich der Heckscheibe.

Muss man mögen, steckt aber durchaus was weg

Im Rahmen des gesamten Packages lässt sich das jedoch verschmerzen. Ähnlich wie beim Hyundai i30N ist hier beispielsweise der Sound des Auspuffs ein größeres Manko, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie beim Hyundai-Bruder. Unzeitgemäß laut ist er dennoch – Sport hin oder her. Das kann man mögen, aber eben nicht unbedingt den ganzen Tag. Und man fragt sich schon ein wenig, ob das wirklich noch sein muss.

Alles in allem ist der Kia Pro Ceed dennoch ein Auto, das man mögen kann: Der Wagen ist flink, fühlt sich gut an, die Verarbeitung ist ausgezeichnet und die Federung für einen Wagen dieses Genres so abgestimmt, dass man wirklich nicht meckern kann. Die Lenkung ist ausgezeichnet – vor allem auch im Zusammenspiel mit den anderen Komponenten. Der Innenraum ist nicht ganz so nett wie bei manchen Deutschen Autos – aber das ist wirklich im Bereich Cafehaus-Geschwätz angesiedelt, denn der Wagen ist mal ganz sicher nicht hässlich oder so.

Gesamtheitlich ist der Wagen graduell ausgewogener als der Hyundai i30N – beim Gesamtpaket des Golf GTI kommt er nicht an, aber der Preis reisst es raus.

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Wer sich mit dem Erscheinungsbild des Kia Pro Ceed anfreunden kann, der bekommt hier beinahe ein Unikat der GTI-Szene. Der Spott, der hin und wieder über dem Wagen ausgekippt wird, erfordert aber einen Besitzer, der wirklich zu dem Wagen steht.