Nein – du kaufst Dir keinen Tesla…

Eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020 – dieses Ziel ist längst beerdigt auf dem Haufen peinlicher leerer Versprechen im Bereich der Energie-Wende in Deutschland. Immerhin gibt es hier und da Lichtblicke – „hier“ sieht es sehr gut aus – aber „da“ wird eine Deutsche Geschichte auf einer neue Ebene weitererzählt, die wir schon oft gehört haben.

Tesla hat gerade angekündigt, den Modellen X und S in Deutschland die 75Kwh Versionen zu streichen. Der Grundpreis des Modell X steigt damit von 97.000 Euro auf satte 115.000 Euro. Beim Modell S ist der Sprung noch deutlich krasser: Ab Montag ist das billigste Modell 108.000 Euro teuer – vorher waren es gerade mal 69.000 Euro.

Solche preise bringen die Elektro-Mobilität nicht weiter. Gerade bei einem coolen Trendmobil wie dem Tesla sind die Leute ja bereit, etwas mehr zu zahlen – aber zwischen 69 und 108 tausend Euro liegen gute 3 Golf… Irgendwo hört der Spaß auf.

Die wichtigsten Argumente gegen die Elektromobilität sind bei den Deutschen ja grundlegend schon einmal die Reichweite und natürlich die mangelnde Lade-Infrastruktur. Die jedoch sieht längst gar nicht mehr so schlecht aus, wie gerne behauptet wird. Tatsächlich liegt Deutschland im Bereich der öffentlichen Lade-Infrastruktur an Platz 10 oder sogar 9 von 32 Europäischen Staaten, je nachdem, wie man rechnet.

Das ist kein Platz auf dem Treppchen – aber für das übliche Stammtisch-Gejammer, das behauptet, die Deutschen seien hier am Ende der Liste, taugt es längst nicht mehr.


Jetzt kann man da in den Details herumbohren – den Lagen der Säulen, den bescheuerten Standards, die eben exakt keine sind oder anderen Themen – aber gemessen an Ladesäulen pro 1.000.000 Einwohner kommt Deutschland jetzt auf 321 im Schnitt. Schlusslichter Rumänien und Griechenland kommen auf 6 Säulen pro einer Million Landes-Einwohner. Puuhh… mag da manch einer denken – da stehen wir ja ganz schön gut da. Schockierend ist eher der Abstand zu den Spitzenreitern. Die Schweiz näher sich 2400 Ladesäulen pro Million Einwohner, Norwegen bringt es auf knapp 2200 – die allerdings im Schnitt mit signifikant höherer Ladeleistung als die meisten Säulen im Hightechland Deutschland.

Während die Schweden, die Schweizer und andere führende Länder auf 4-6% Anteil der E-Fahrzeuge an den Neuzulassungen kommen, schafft Deutschland in diesem Bereich nie mehr als 1,X. Und die sind noch so erwartbar verteilt wie in Deutschland nur möglich. Die neuen Bundesländer nämlich liegen praktisch bei Null – in dem Falle besteht ein sinnvoller Zusammenhang mit der Ladeinsfrastruktur.

Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern und Sachsen Anhalt haben eine Dichte an Ladestationen, die nur ein Fünftel so hoch ist wie im Deutschen Durchschnitt. Ein Desaster.

Während bei uns also auf 60 Verbrennungsmotoren ein Elektroauto kommt, ist das Verhältnis im E-Mobilitäts-Vorbildland mittlerweile 1:1 – und die Dichte der Ladeinfrastruktur ist siginfikant weniger schwankend, die Ladezeiten deutlich geringer, die Steuervorteile für die E-Auto Fahrer so groß wie nirgends sonst.

Lassen wir mal die Frage beiseite, welche Kritiker-Argumente es gegen Elektroautos in der ökologischen Gesamtbetrachtung gibt – die Norweger haben eine Wende geschafft wie kein anderer. Und das zu allem Überfluss in einem Land, dessen klimatische Voraussetzungen als desaströs gelten.

Und das ist irgendwie beeindruckend.