Opel verdient Geld! Yeah! Äh… ist das wirklich eine gute Meldung?

Opel verdient wieder Geld, schreibt schwarze Zahlen – und das zum ersten Mal seit 20 Jahren! Und nicht nur das – sondern total abgefahren: Wir erfahren auch, dass sie ihr Geld tatsächlich mit dem Verkaufen von Autos verdienen. Whow – und das als Autohersteller…

Zynismus beiseite – erst einmal sollten wir uns darüber freuen, wenn Opel Geld verdient. Da kann man sagen: Der Anfang ist gemacht. PSA kann sich erst mal fest auf die Schulter schlagen und sagen „Wir haben es gemacht,“ denn im Rückblick muss man schon sagen: 20 Jahre keinen Gewinn machen… Puuh – da muss man jetzt nicht gerade Betriebswirtschaftslehre studieren, um auf den verdacht zu kommen, dass das nicht überall durchgegangen wäre.

Im Gegensatz zu manch einem Vertreter dieser Klasse ist der Opel Insignia auch noch in einem knackigen Rot zu haben, das ihn aussergewöhnlich gut kleidet

Da kann man jetzt sicherlich lange Diskutieren, wer es schuld ist, denn GM hat es Opel über die Jahre wirklich nicht leicht gemacht – das Management hat hier schauderhafte Fehler begangen, die im Rückblick nicht nur unverzeihlich sind, sondern auch bereits zu Zeiten ihrer Entstehung als kategorisch falsch erkennbar waren.

Warum man etwa nahezu identische Fahrzeuge unter dem Opel Label und deutlich billiger parallel als Chevrolet auf identischen Märkten anbietet, weiss wirklich niemand…

So – nachdem Opel nun 856 Millionen Euro in die Kasse geschaufelt hat, muss man sich fragen – „Hey, lag das jetzt etwa alles an GM?“ und natürlich „Wie geht das wohl weiter, was sind die Gründe?“

Kann man so auch woanders kaufen… Aber warum sollte man den Peugeot jetzt eigentlich bei Opel kaufen?

Zunächst einmal muss man da festhalten, dass Opel ein ausgezeichnetes Fahrzeug wie den aktuellen Opel Insignia B im Programm hat, der noch ziemlich frisch ist. Auch der aktuelle Astra gehört zu den besten „Golfs,“ die man zurzeit kaufen kann. Solche Themen helfen erst mal.

Ganz entschieden trägt zu dem Gewinn allerdings auch mal ganz klar bei, das Opel rund 4.000 Leute abgebaut hat – in unterschiedlich sozialverträglichen Versionen von Altersteilzeit bis hin zu Abfindungen.

4.000 – lassen wir uns das Mal auf der Zunge zergehen. Das bedeutet, dass erst einmal 12.000 Leute, die im Schnitt davon betroffen sind, nun erst einmal ohne Erwerb durch Opel dastehen. Und natürlich: Das ist nicht das Ende.

In einer etwas ungünstigen Kombination werden da gerade die knapp 900 Millionen Gewinn verkündet – gleichermaßen wettert der PSA Chef gegen die IG Metall, weil die ihm noch nicht genehmigt haben, mehrere Tausende Ingenieure von Opel auszulagern und an eine andere Company zu „verkaufen,“ wo sie dann in Teilen noch für Opel arbeiten.

Badge Engineering hat Opel auch zu anderen Zeiten schon erprobt – funkltioniert hat das nicht gerade

Und das ist ja nur eines der sichtbaren Gemetzel.

Verkauft das mehr Autos? Nein. Aber immerhin: Darauf hat der PSA Konzern Antworten, beispielsweise mit der Marke Opel nach Russland (zurück) zu gehen, um tatsächlich wieder mehr Fahrzeuge verkaufen zu können. Das wird mit großer Sicherheit funktionieren auf einem Wachstumsmarkt wie Russland, wo Opel einen guten Ruf hat.

Was das an Arbeit in Deutschland bedeutet, bleibt abzuwarten. Die jetzt sichtbaren Zeichen stehen klar weiter auf Sparkurs, vor allem Einsparen von Mitarbeitern. Denn Ingenieure hat der PSA Konzern bereits einen ganzen Haufen. Und in einer E-Zukunft, wo die Konstruktionskomplexität erheblich abnehmen wird, sollte ein Konzern wie dieser nicht mehr so viele von denen haben…

PSA hat in den vergangenen Jahren bedingungslos auf Kosteneffizienz hin optimiert und Marken wie Citroen damit komplett ausgehöhlt. Die ersten Opel von PSA zeigen klar, wohin die Reise im Moment geht: Badge Engineering. Das hat sich leider in den letzten Jahrzehnten nicht so sehr als Erfolgsmodell erwiesen, wie GM und Ford und Chrysler zeigen – während der Volkswagenkonzern zeigt, wie es geht.

Wie Schnuppern da den Geruch des Verderbens. Wenn Opel nicht mehr als Marke wahrgenommen wird, sondern nur noch als Peugeot mit dem Blitz drauf, dann sind sie in der Welt, in der die Marketing-Story den Wagen verkauft, nicht mehr lebensfähig.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.