Seat Arona – Der bessere Seat Ibiza?

Kleine SUVs gehen zurzeit wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln oder geschnittenes Brot. Dabei ist Allrad-Antrieb mittlerweile längst kein relevantes Kriterium mehr, um Erfolg zu haben – es ist eher Design, das zählt.
Das kann Seat ja schon seit Jahren gut – hat der Seat Arona auch sonst relevante Qualitäten?

Früher hast Du als Autofahrer zuerst deinen Sitz eingestellt, dann die Spiegel – heute koppelst Du als erstes mal Dein Smartphone. Und hier begeistert der Seat Arona mit der Routine des Volkswagen-Konzerns: Die Multimedia ist leicht zu verstehen, die Kopplung funktioniert völlig nahtlos, einfach und fehlerfrei – ob Android, ob Apple, ob aktuelles Gerät oder ein betagter Blackberry, den wir gerne zu Testzwecken verwenden. Dasselbe gilt für das Streaming von Spotify sowie die dabei erreichte Klangqualität: Gemessen an der Mühelosigkeit in einem Seat Arona für 20.000 Euro kann sich mancher Benz, der das Vierfache kostet, verstecken.

Seat Arona

Die Marketing-Leute positionieren den Arona jung und hiop – durchaus zurecht

Auch sonst sitzt beim Arona fast alles auf Anhieb: Die Großserien-Sitze bieten Halt und Verstellmöglichkeiten, wie man sie sich wünscht – alles hier ist einfach und flutscht. Unaufgeregt ist hier auch sonst das meiste – und zwar im besten Sinne.

Gewöhnungsbedürftig ist der Motor-Start über einen Knopf in der Mittelkonsole – funktioniert aber nach Gewöhnung auch gut.

Der Seat Arona kommt mit einer Motorenpalette daher, die von 95PS bis hinauf zu 150PS reicht. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte: Der 115PS Motor bringt den Wagen sportlich voran, braucht dazu durchaus Drehzahlen, die man aber nicht an der tankstelle bezahlen muss. Vergleicht man den Seat Arona beispielsweise mit dem Citroen C4 Cactus, den wir praktisch zeitgleich Probe gefahren haben, kann man gar nicht glauben, wieviel besser die Dreizylinder im Arona ihre Sache machen.

Seat Arona Kofferraum

Hier könnte man sich durchaus mehr wünschen – immerhin ist die Form einigermaßen gut nutzbar – besser als bei vielen Mitbewerbern

Klar haben die bei Drehzahlen ein kerniges Geräusch – aber das nervt nie, ist nie unangenehm. Im Gegenteil: Man kann das durchaus als knackig sportlich empfinden. Die 95PS Version macht hier auch schon einen guten Job – und wer über kleine Motoren mit Turbo-Aufladung lästert und Stammtisch-Sprüche klopft, der kann sich hier eine Lektion abholen. Beim 115PS Modell noch mehr als beim 95PS Modell, die Motorisch grundlegend erst einmal die gleiche Konfiguration aufweisen und sich in der leistung unterscheiden, jedoch nicht im Drehmoment. Somit kann man mit beiden ebenso ruhig dahinbummeln, wie man mit ihnen sportlich fahren kann – ernsthaft sportlich.

Vernünftig gefahren kann so ein Dreizylinder im Vebrauch überzeugen – da sind realistische 6 Liter absolut machbar. Und dafür bietet der Arona schon eine Menge Raum, der gut nutzbar ist. Der Kofferraum ist klein, vor allem im oberen bereich, wie bei fast allen modernen Autos, viel zu stark abgeschrägt. Ein mittelgroßer Hund beispielsweise passt technisch in den Kofferraum, fühlt sich aber im Kopfbereich sicherlich zunächst einmal unwohl, solange er aufrecht sitzt.

Die Plätze im Innenraum sind einigermaßen großzügig für diese Fahrzeugklasse – und vor allem: Alles hier fühlt sich komfortabler geschnitten an als im Plattform-Spender Seat Ibiza. Diese moderne Polo-Plattform ist breitspurig angelegt und kommt auch mit der zusätzlichen Höhe des Wagens ausgezeichnet zurecht. Das Fahrverhalten ist ausgesprochen berechenbar und tadellos sicher. Das ESP greift im Grunde nie ein, weil dasFahrwerk als solches ausreichende Sicherheitsreserven bietet, um ohne die Elektronik auszukommen. Auch hier könnte sich Mercedes durschaus mal eine Scheibe abschneiden.

Seat Arona

Hier stimmt alles: Ergonomie top, Verständlichkeit ausgezeichnet – vom Volkswagen-Konzern kann sich in dieser Kategorie mach ein „premium“-Hersteller ein paar Scheiben abschneiden

Alles in allem wirkt der Wagen sehr durchdacht und mit viel Liebe gebaut. Angenehm auch: Vieles, was bei anderen Fabrikaten gesteckt ist, wird hier noch geschraubt. Auch unter dem Dach des monströsen VW-Konzerns gibt es offensichtlich ein paar Leute, die sich auf traditionelle Werte verstehen.

So fällt es in Summe wirklich schwer, dem Wagen etwas vorzuwerfen. Schaltung, Bremsen, Lenkung – hier ist alles on the Spot und fällt eher dadurch auf, dass es nicht auffällt, sondern einfach so ist, wie man es sich von einem modernen Auto (Der Arona kam Ende 2017 auf den Markt) erwartet. Die Verarbeitung der aktuellen Seats ist tadellos und Dauertests bescheinigen ihnen immer wieder hohe Qualität. Man muss sich also schon ziemlich verbiegen, um am Seat Arona etwas blöd zu finden. Manch einer mag das Geräusch des Dreizylinders nicht mögen – aber machen wir uns nichts vor: Das ist die Zukunft im Motorenbau.

Seat Arona

Muss sich wirklich nicht verstecken – so sahen kürzlich noch Audis aus

Selbst bei der Preisgestaltung des Seat Alhambra sucht man einigermaßen vergeblich nach Fehlern. Ein ärgerliches Feature: Die Zweifarb-Lackierung bekommen nur die besseren Ausstattungen, aber ein wenig Trickserei wird man den Marketing-Leute ja zugesetehn müssen. Ansonsten ist Seat die legitim preiswerteste Marke des Volkswagen-Konzerns und nicht etwa Skoda, wie man auf den ersten Blick oft glauben mag, denn die Ausstattungen der aktuellen Modelle sind gut bis sehr gut – und da macht auch der Seat Arona keine Ausnahme.

Aktuelle Features wie Näherungssensoren am Navi, Regensensoren, Parkkameras in guter Qualität – hier bekommst Du alles, was das Konzernregal hergibt – und das zu vernünftigen Preisen.

*****

Fazit: Du musst kein SUV Fan sein, um den Seat Arona zu mögen – der Wagen fährt sich in kürzester Zeit ins Herz und überzeugt durch seine Qualitäten, die in alle Bereiche des Wagens reichen. Insofern bleibt hier kein anderes Urteil möglich als 5 Sterne. Well done.




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