Subaru: Auf Autopilot gen Abgrund?

In den 80ern und ganz speziell in den 90er jahren hatte Subaru auch in Deutschland mal einen festen, eng gewebten Kreis von nahezu fanatischen Fans. in gewisser Weise zurecht – und heute?

In den 80ern waren Subarus noch exotisch – aber spätestens ab 1989 sollte es mit der Marke weltweit zunächst einmal bergauf gehen. Der Subaru Legacy erschien und brachte die Subaru-Technolohgie des permanenten Allrad-Antriebs mit dem so ungemein ausgewogenen Boxermotor mit dem unvergleichlich geilen Klang eine gute Klasse höher. Legacys mit satten 200PS sollten auf den Markt kommen – ausgezeichnet ausgestattete Fahrzeuge mit Langstreckenqualitäten, exotischen Doppelschiebedächern uind einer Solidität, die ihresgleichen suchte. Speziell der erste und der zweite Legacy waren unzerstörbar.

Eine Klasse drüber debütierte dann kurze Zeit später der erste Impreza – der nicht nur handlicher und etwas kleiner war. Er lieferte auch das Template für das ultimative Rallye Auto, das von Menschen wie Colin McRae erfolgreich bewegt werden sollte.

Typischer Hidden Champion: Subaru Legacy der ersten Generation – unzerstörbar und von seinen Fans zurecht mehrfach heilig gesprochen

Und Subaru rüstete weiter auf. Mit dem Subaru Forester launchte die japanische Firma eines der ersten echten SUV – und ein sportliches obendrein, was ja damals noch völlig unüblich war und nur missverstanden in den Namen hineininterpretiert wurde.

Was für eine Range tat sich da jetzt auf, vor allem abgerundet durch den Outback – der war ein höhergelegter Legacy mit mehr Upperclass-Features – später bis hin zu einem H6 Motor, einem sechszylindrigen Boxer also, stets gepaart mit einer wundevollen Automatik.

Von hier an konnte es doch eigentlich nur bergauf gehen, oder?

Hm…

Die Kernkompetenzen von Subaru waren die Paarung aus Allrad-Antrieb, tiefem Schwerpunkt, kompromissloser Verarbeitung und den Boxoer-Motoren. Im praktischen Nutzen glänzten Legacy, Outback und Forester darüber hinaus mit üppigen Kofferräumen, in denen eben auch mal ein Jagdhund toben konnte, ohne etwas zu beschädigen. Große Klasse. Wer Subaru fuhr, schaute schon auch mal in eine Auto-Zeitung, wenn ein neues Auto anstand – kaufte dann aber einfach wieder einen Subaru… In Nordamerika, UK, den Niederlanden und auch in Deutschland gab es da tatsächlich breit aufgestellte, nahezu religiöse Gruppen, die Subaru fuhren. Bei Computerspiel Rallye Racing 97 war der Subaru stets das beliebteste Auto – obwohl das ja eigentlich eine Nerd-Marke im weiteren Sinne war. Eine starke Qualität, die eine Marke wie Subaru für sich nicht überall zu greifen und zu supporten vermochte.

Subaru Forester

Für viele der Beginn einer wundervollen Freundschaft – Der Subaru Forester ist effektiv das wichtigste Modell der Marke über die Jahre geworden

Aber es zogen dunkle Wolken auf. Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre wurden die TDIs immer wichtiger. Subaru jedoch hatte keinen Diesel im Programm über lange Jahre. Gerade aber im Segment der großen Mittelklasse-Kombis war ein Diesel in Deutschland unverzichtbar. Im Passat beispielsweise bekam man den – und nachdem der sich nach tiefen Krisen im Bereich Qualität erholt hatte, kam der mit noch größerem Kofferraum und deutlich mehr Allrad-Angeboten auf den Markt. Auch bei immer populärer werdenden Skoda Octavia wurden die Allrad-Kunden fündig – und das für teilweise deutlich niedrigere Preise.

Hinzu kam: Die digitalen Komponenten wurden im Auto im Laufe der frühen Jahre unseres Jahrtausends immer wichtiger. Die Navi-Komponenten und ähnliche sahen im Subaru jedoch in teilen schier lächerlich aus – und konnten nix. Noch 2010 verkaufte Subaru ernsthaft Navigationssysteme, die keine dynamische Zielführung beherrschten und zwar die Route berechnen konnten, den Fahrer dann aber gnadenlos in jeden Stau auf der Strecke schickten und den Weg stur weiterverfolgten. Unfassbar eigentlich.

Auch wenn die Promo-Bilder etwas anderes suggerieren: Dem Levorg fehlen für einen echten Subaru-Besitzer einfach 300 Liter Kofferraum für die beiden Hunde

Immerhin kam ein ausgezeichneter Diesel auf den Markt – aber erst zur Saison 2009, als Subaru bereits breit Marktanteile verlor. Nur der Forester als SUV verkaufte sich noch gut. Und dennoch waren gleichzeitig die SUVs tödlich für Subaru. Wer nämlich den eben noch exotischen Allradantrieb haben wollte, bekam den nun mit der SUV-Welle plötzlich an jeder Straßenecke von jedem Hersteller in jeder Fahrzeugklasse.

Und Subaru steuerte nicht gegen. Im Gegenteil sogar. Statt eines offensiven Angriffs stopfte Subaru erst sinnlos das Modellprogramm und bot nun plötzlich Autos ohne Allradantrieb an, die so aber keiner wollte. Den finalen Todesstoß in Deutschland setze Subaru seinem Modellprogramm dann mit dem Levorg, der den Impreza Kombi und den Legacy ablösen sollte. Speziell den Legacy aber hatten die Leute schon immer auch wegen seines gigantischen Kofferraums gekauft – diesen nun zu verkleinern, war für Märkte wie dem Deutschen vollkommen unsinnig.

Und wurde zu Recht nicht honoriert.

Da ging auch mal sexy, wenn es sein musste

Eine exotische Marke kann sich keinen Wagen in einer Zwischenklasse erlauben, der für die kleinere Klasse zu teuer und für die größere Klasse zu klein ist. Dass der zudem noch mit exakt einer Motorisierung auf den Markt kam, die es ausschließlich in der Paarung mit einer höchst zweifelhaften CVT-Kraftübertragung gab, wird irgendwann Marketing-Fahcbücher als Negativ-Beispiel für Modellpolitik füllen.

Im Januar 2019 konnte Subaru in Deutschland gerade noch 807 Fahrzeuge neu zulassen – lächerliche 21 davon waren Levorgs… Manche echten Exoten werden häufiger verkauft.

Subaru hat lange Zeit nicht gegen gesteuert, sich der Herausforderung des Deutschen Marktes nicht gestellt. Die Akzente des Modellprogramms fehlen, ein Allrad-getriebener Nachfolger des Justy würde in vielen Regionen helfen, Der Levorg ist ein Rohrkrepierer und muss ersetzt werden. Subaru schielt auf Elektromobilität, ist aber nicht der Anbieter, dem die Deutschen Kunden das abnehmen werden, wenn es nicht mit einem spannenden Konzept gepaart ist.

Subaru verkauft im Jahr soviele Fahrzeuge des gesamten Modellprogramms wie VW vom Golf in 2 Wochen – ist mn damit überlebensfähig? Eher nicht. Zeit zu Handeln.




2 Kommentare

  • Ronny Herkner

    Hab den 3 Subaru. Erst Legacy dann Forester mit Benzin und Gas und seit 4 Jahren Forester Diesel mit Automatik. Herrlich. Nur der Allrad könnte zum zuschalten gehen. Würde den Verbrauch mindern. Im Herbst soll die neue Generation kommen. Bin gespannt.

  • Klaus Späth

    Die Sportlichen wurden für Deutschland eingestampft- Kein WRX STI mehr, kein Forester XT. Der heckgetriebene BRZ … das Feld wurde Toyota mit dem GT86 überlassen.
    Klar, gesetzliche Vorgaben, Abgaswerte etc. machen es bei kleinen Stückzahlen nicht einfacher, aber die Modelpolitik lässt auch Fragezeichen entstehen.
    Andere Länder bieten größere und sicherlich interessantere Absatzmärkte, aber das hat noch lange nichts mit Details in den Ausstattungen zu tun. Meine „blaue 6 Sterne Brille“ hat deutliche Risse bekommen und die Blicke über das Subaru-Oval zu anderen Herstellern werden nach 16 Jahren Subaru-Treue häufiger.

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