Vor 25 Jahren: Opel Omega B

Als der Opel Omega B erschien, passierte ganz nebenbei etwas ganz gruseliges, das viele gar nicht so recht mitbekamen: Seit den späten 60er Jahren hatte es auf Basis des Opel Rekord und schließlich seines Nachfolgers Omega A immer auch Luxusversionen des Wagen gegeben – annähernd gleiche Karosserie, gehobenere Ausstattung, dickere Motoren. Das war gesetzt. Da gab es den Commodore seit 1967 und seit 1977 den Opel Senator. Und mit Erscheinen des Opel Omega B war es damit vorbei.

Nach dem Omega B war es mit großen Opel vollständig vorbei – aber das konnte am 29. April 1994, als der Omega B auf den Markt kam, keiner so recht ahnen.

Im Grunde standen die Sterne sogar eher günstig, als der Opel Omega B erschien. Die wichtigen Mitbewerber waren nämlich schon länger auf dem Markt – Mercedes baute bereits seit 1984 den W124, BMW baute den E34 schon seit 1988, der Ford Scorpio galt als vollkommen überaltert – es war also ein durchaus strategisch kluger Zug, den Wagen in dieser Klasse früher auf den Markt zu bringen als die Mitbewerber.

Gegenüber dem Vorgänger Omega A, der sich noch sehr am Rekord E orientiert hatte, war der Omega B entschieden stattlicher geworden: Entschieden länger, etwas breiter und gleichzeitig auch ganz entschieden schwerer. Der leichteste Omega B war deutlich schwerer als der schwerste Omega A.

Das machte den Wagen tatsächlich ungemein besser und bizarrer Weise bedeutend wettbewerbsfähiger, denn vom Fahrgefühl betrachtet, brachte das den Wagen in eine gänzlich neue Klasse, in der er tatsächlich mit Wagen wir dem BMW E34 entschieden besser mithalten konnte, weil er satter lag, luxuriöser wirkte, während sein Vorgänger immer ein wenig wie eine aufgejazzter Rekord E wirkte, was er technisch in vielen Teilen war, wenn auch geschickt verpackt.

Der Opel Omega B erschloss hier 1994 eigentlich ein neues Kapitel und nicht nur bezüglich satten Fahrverhaltens, stattlich satt klingender Schließgeräusche der Türen und ähnlicher Komponenten. Und hinzu kam ein Innenraum, der wirklich stattlich war und ein Kombi, der seinem Namen „Caravan“, also einer Mischung aus Car und Van alle Ehre machte. Der Caravan war GROSS. 1800 Liter waren drin – da wurde auch der W124 von Mercedes blass und der Ford Scorpio zeigte plötzlich klare Grenzen der Ladekapazität auf.

Der Omega fuhr sich gut, der Omega rückte mit gescheiten Motorisierungen an – was sollte da schon schief gehen?

Mercedes launchte den riesigen W210, BMW den besten 5er seit Menschengedenken, Audi einen spektakulären A6 und der allgemeine Massengeschmack orientierte sich zusehends in Richtung der Premium-Marken – und da schien Opel nicht recht mithalten zu können nach einigen echten und einigen aufgebauschten Qualitätsskandalen.

Trotz knapp 10 Jahren sollte das am Ende dazu führen, dass der Omega B unter 800.000 Einheiten blieb, was für das Fahrzeug eines Massenherstellers in diesem Segment schlicht zu wenig ist. Geplant waren über 1.000.000 Einheiten – und zwar in etwas über 7 Jahren. Das ging also mal grundlegend schief.

Im Anschluss stoppte Opel den Bau von Fahrzeugen dieser Klasse, gab das jedoch nicht offiziell zu und stopfte die Lücke mit einem Derivat des eine Nummer kleineren Opel Vectra C, das zwar durchaus anspruchsvoll war und Qualitäten hatte, von den Kunden aber ganz entschieden zu sehr als Vectra eingestuft wurde.

Historisch betrachtet war damit am Ende der Bauzeit des Opel Omega B Schluss mit dem klassischen großen Opel. Es gab keinen Heckantrieb mehr, es gab keine Konkurrenz zur E-Klasse mehr. Nachdem Opel mit dem Diplomat 1977 aus der echten Oberklasse ausgestiegen war, stiegen sie 1994 mit dem Omega B aus dem Konzept „Senator“ aus – und nach dem Omega war auch damit endgültig Schluss.

Seitdem ist die Frage nach einem Oberklasse-Opel die vielleicht meist diskutierte Frage unter Opel Fans.

Aber machen wir uns nichts vor: Das war lange Zeit unrealistisch – und seit dem Kauf durch die PSA Gruppe ist es absurd, zumal die auch schon längst aus der Oberklasse ausgestiegen sind…