Warum SUVs uns in die automobile Hölle führen

Die Initialzündung des SUVs fand in Japan statt – 1994 mit dem Toyota RAV4. Kurz darauf folgten – ebenfalls aus Japan – der Honda CR-V und schließlich der Subaru Forester. Ein Automobiles Genre war geboren – aber niemand konnte vor 25 Jahren ahnen, welche Auswirkungen das haben sollte.

Die 25jährige Geschichte des SUV ist in vielerlei Hinsicht bizarr. Der Toyota RAV war eigentlich ein klassischer Fall von Crossover, auch wenn der Begriff damals noch nicht ganz so salonfähig war. Aber im Grunde lag ihm ein wesentliches Baumuster zugrunde: Der klassische Geländewagen, nu eben in einer etwas sozialverträglicheren Version, bei der dich Deine Nachbarn nicht fragen würden, ob Du dir vielleicht auch Pferde und einen Privatwald zulegen willst oder so.

Plötzlich wurde der „Geländewagen“ gesellschaftsfähig. So weit so gut erst mal.

Oder?

Nein – denn dann stellte sich heraus, dass man mit Autos, die so hoch sind, wie ein Geländewagen, nicht so schnell um Kurven fahren kann. Tieferlegen gab bei einem SUV und der dazugehörigen Marketingstory keinen Sinn – also wurden die Aufbauten erst einmal flacher. Überspitzt gesagt: Man musste hoch einsteigen, dann aber den Kopf einziehen. Die Raumökonomie wurde dadurch entschieden schlechter.

Das jedoch reichte nicht. Nun waren die SUVs innen zu klein – schnell fahren ging immer noch nicht so gut. Die Kunden wollten sie eigentlich so, wie die Autos, die sie kannten – nur eben mit einer cooleren Marketing-Story.

Also taten die Autohersteller, was die Kunden wollten und machten die Wagen breiter und federten sie härter. So entstanden Fahrzeuge wie der BMW X3 oder der Opel Mokka, die schlicht zu hart gefedert waren, um charmante Langstreckenfahrzeuge zu sein. Und all dieser Aufwand machte die Wagen schwerer und sinnlos komplizierter, nur um einigermaßen so fahren zu können wie jeder durchschnittliche Golf. Und ihre Kofferräume sind stets deutlich schlechter nutzbar.

Was also haben wir jetzt? Wir haben Autos, die auf der einen Seite unnötig schwer sind, die gleichermaßen so breit sind, dass nie zwei nebeneinander in ein Parkhaus passen, Letzteres ist vor allem deshalb schlimm, weil ja gefühlt nur noch SUV verkauft werden – zumindest in Innenstädten, wo sie garantiert niemand wirklich braucht. Und weil die schweren breiten Autos eine viel zu große Stirnfläche haben, die den Verbrauch negativ beeinflusst, werden die Karosserien so weit abgesenkt, dass selbst diese Fahrzeuggattung keine Bodenfreiheit mehr aufweist. Wir haben den Sportwagen mit dem Geländewagen gekreuzt und wundern uns, dass der nicht alles gleichzeitig so gut kann wie seine Genspender. Wir schleppen den Ballast des Geländewagenkonzeptes 364 Tage im Jahr mit, um dann an einem Abend am langen Ski-Wochenende die Auffahrt mit dem Allradantrieb erklimmen zu können. Dümmer geht es nicht.

Und die Leute, die SUV also gerne nutzen würden, um ins Gelände zu gehen, schauen jetzt auch in die Röhre, denn SUVs können das nicht und echte Geländewagen sind gestorben, weil es ja jetzt den SUV-Trend gibt…

Form follows Schwachsinn: Moderne SUV Karosserien

So – und nun haben die Autohersteller kollektiv ihre Energien investiert, einem konzeptionell benachteiligten Konzept Manieren beizubringen und die Physik auszutricksen – und dann stellen sie mit einem Male fest, dass angeblich die Umwelt in Gefahr sein soll.

Und da kommen die Dämonen wieder: Die hoch bauende Karosserie, die notwendigen breiten Reifen – ganz gleich, was du tust, die gigantische Stirnfläche versaut dir jegliche Effizienz in Sachen Energie-Konsum.

Und jetzt denken wir mal in Richtung der nächsten Antriebstechnologien – ob Hybrid, ob Elektro, ob Wasserstoff – alle Konzepte bringen hoch konzentrierte große Gewichte mit sich – vor allem bei Elektro-Auto sind die Batterien ein Schwerpunkt, bei dem sich die Physik auch nicht austricksen lässt.

Der Sion von Sono Motors: So sieht konsequente E-Mobilität der Zukunft aus

Wie sollten die Autos der Zukunft aussehen, die mit diesen Problemen umgehen könnten?

Die vermutlich brauchbarsten Konzepte stammen aus exakt der Zeit, in der die SUVs aufkamen: Die erste Mercedes A-Klasse, der Toyota Previa, der erste Audi A2. Vans hatten ganz klar die bessere Raumausnutzung für die modernen Städte. Die A-Klasse war so kurz wie ein Kleinwagen, bot aber mehr Raum als ein Golf. Ein Unterflurmotor wie im Toyota Previa gibt genau das vor, was ein Elektroauto brauchen würde – und zudem wären die thermischen Probleme hier geringer. Am Ende wäre also selbst bei einem solchen Nicht-Mainsream-Konzept alles besser. Jeder Kombi lässt sich energetisch besser optimieren als ein SUV – und das ist DER Trend bei der Massenmotorisierung in Deutschland? Die Leute kaufen lieber den Tiguan als den Golf Kombi. Manche Fahrzeugkonzepte verschwinden vollständig im SUV Wahn.

Guys, ehrlich: Wir haben aufs falsche Pferd gesetzt. Die einzig verlässliche Information, die uns der SUV Trend über unsere Gesellschaft gibt, ist die: Wir hören lieber auf die Marketing-Legende vom urbanen Cowboy, als unseren eigenen Verstand zu bemühen, um nachzurechnen, was wirklich wichtig ist.




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