Was hat PSA mit Opel vor?

Schaut man sich einmal die ersten Gehversuche der Modelle an, die PSA zurzeit unter dem Opel-Label, respektive Vauxhall launcht, kann man schon auf den Gedanken kommen, sich zu fragen, was der Quatsch eigentlich soll.

Der Ople Zafira Life und der Opel Combo sind schlichte 1:1 Kopien von Peugeot Modellen.

Der VW Konzern beschäftigt einen Haufen Leute, die sich Gedanken um die Plattformstrategie und die vertikale und horizontale Komponenten-Gleichheit machen – und sie tun gut daran Die Plattform-Strategie, die Mitte der 90er wie ein Aufguss dessen klang, was GM schon seit Jahren machte und das unter dem eher despektierlichen Namen Badge-Enginieering bekannt wurde. Badge-Engineering ist deshalb despektierlich, weil der Name andeutet, dass nur die „Badges“, die Markenlogos also, ausgetauscht werden – während sich bei dem, was GM da machte, tatsächlich manchmal auch der Charakter der Fahrzeuge ein wenig änderte – mel mehr Sport (Pontiac), mal mehr Edel (Cadillac), mal Normalo pur (Chevrolet) – aber die Autos waren im Kern gleich.

Kann man so auch woanders kaufen… Aber warum sollte man den Peugeot jetzt eigentlich bei Opel kaufen?

Das Konzept verflachte immer mehr – VW geht da weiter und hatte bereits Ende der Jahre eine Plattform, auf der sie eine Range von Golf über den großen Skoda Octavia bis hin zum mega-flachen Audi TT bauen konnten und dazwischen noch einen Audi A3 oder Seat Leon – alles Autos mit einer durchaus eigenständigen Identität, wo es sich lohnt. Bei der ganz kleinen Plattform lohnt es sich nicht: Mii, Up! und Citigo sind weitgehend identisch. Aber all das folgt einem Plan.

Was genau ist der Plan von Peugeot an dieser Stelle?

Das erste Joint Venture, der Opel Grandland X, wurde noch unter dem Label der jeweiligen Eigenständigkeit entwickelt – Plattform-Spender Peugeot 3008 unterscheidet sich optisch vom Grandland X und fährt sich in Teilen auch anders – in jedem Falle aber erzählt er eine andere Marketing-Story.

Der aktuelle Opel Combo Life – der auch schon vorher immer noch ein halbherzig an Opel angepasstes Modell war – ist in seiner aktuellen Generation ein Citroen Berlingo oder auch Peugeot Rifter. Und speziell letzterem 1:1 aus dem Gesicht geschnitten.

Fälschung und Original: Der Peugeot Traveler ist der Opel Zafira der Konzernmutter – und wer will, kann ihn auch bei Citroen und dem konzernfernenen Toyota-Händler kaufen

Citroen und Peugeot unterscheiden sich untereinander deutlich mehr.

Beim nun gezeigte Zafira Life steht dem Opel-Liebhaber dann spätestens das Herz stilll. Der Zafira war einst zurecht der Stolz von Opel – ein Wagen, der mit viele unglaublich cleveren Detail-Lösungen und einem innovativen Sitzkonzept gezeigt hat, was geht (und dann vom langweiligen unterlegenen ersten Touran mit gerade mal 5 Sitzen überrollt worden ist).



Der Zafira war ein Meilenstein – der Wagen, bei dem du nicht die schweren Sitze ausbauen musstest und nicht in die Verzweiflung geraten konntest, die ausgebauten Sitze beim Baumarkt stehen lassen zu müssen. Der Opel Zafira war ein Meilenstein – und PSA täte gut daran, dieses Marken-Erbe nicht zu beschmutzen, indem sie ein solches Fahrzeug nun mit einem Badge-Engineering-Auto beleidigen. Da hätten sie dem Wagen besser mindestens einen neuen Namen gegeben.

Opel-Fans gewinnen sie mit diesem Vorgehen zunächst einmal nicht, soviel darf als sicher gelten – das lässt sich auch leicht an den SocialMedia-Reaktionen auf diesen Wagen ablesen.

Auch den Opel Combo Life kennen wir schon als Peugeot Rifter und Citroen Berlingo

Die ersten Bilder des Corsa F lassen vermuten, dass der zumindest eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber dem Peugeot 208 erhalten soll – was hoffen lässt, das Peugeot den wichtigen Modellen vom Schlage eines Astra oder dann auch Insignia hoffentlich eine gewisse Eigenständigkeit verleiht.

Ansonsten muss man sich wirklich sehr ernst fragen, was das Spiel eigentlich soll. Um Peugeots mit einem anderen Logo zu bauen, ist die ganze Geschichte zu teuer. Um nur einen Konkurrenten wegzubeissen und Produktionskapazität zu gewinnen, sind die Altlasten zu hoch.

Die ohnehin schon zu gering. Während sich der Marktanteil von Opel im Neuwagengeschäft vor der Übernahme durch Peugeot der 7% Marke näherte, ist er im Laufe des Jahres – je nach Rechengrundlage auf bis zu 5,4% abgestürzt. Opel verkauft von seinem gesamten Modellprogramm weniger als VW vom Golf!

Bislang hat die Übernahme durch PSA zwar hier und da schwarze Zahlen gebracht, sonst aber nicht viel Gutes für die belegschaft – und offensichtlich auch noch nicht für die Marke. Ohne ein eigenständiges Markenbild ist Opel zum Sterben auf Raten verurteilt, denn Badge-Engineering hat schon andernorts selten zu guten Ergebnissen geführt – und Ex-Konzernmutter GM ist da eines der größten Beispiele.